Seltsam, seltsam… – Komische Dinge rund um die Corona-Krise

Mundschutz

Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes (MNS) ist – immerhin zwei Monate nach Ausbruch der Pandemie und bei fallenden Neuinfektionszahlen – für viele Bereiche verpflichtend. Gleichzeitig wird man darauf hingewiesen, wie genau so ein Mundschutz zu handhaben ist:

Es wird das Bild vermittelt, als sei so ein Mundschutz die Virenschleuder schlechthin.
Und das Ganze ist ja auch völlig leicht zu handhaben: Zum Bäcker…Maske auf….danach zum Supermarkt…neue Maske auf…danach noch Tanken….dritte Maske auf. Und im Auto ist das Tragen für den Fahrer nicht erlaubt.

Wenn man die Maske wiederverwendet, ist sie ja „kontaminiert“. Im Plastikbeutel kann ggfs. die „virenbelastete“ Seite (außen) die „reine“ Seite (innen) verunreinigen. Das geht nicht! Das BfArM rät ausdrücklich zur „einmaligen Nutzung“ auch von selbstgenähten Stoffmasken.

Nur Runterziehen und die Maske am Hals tragen ist auch nicht okay (siehe o.g. Link).

Sehr schön ist dazu auch diese Anleitung: https://www.marburger-bund.de/anleitung-schutzkleidung
Wir erinnern uns: NICHT auf die Vorderfläche fassen!

Gibt es eigentlich belastbare Daten für die Kontamination der Masken?
Ich habe dazu trotz intensiver Suche nichts gefunden, was die Belastung der Maske selbst dokumentiert. Es wurde nur untersucht, was einfache (Stoff-)Masken hindurch lassen: So ziemlich alles nämlich…

Die Maske ist also unterm Strich nichts Anderes, als eine Art „Spritzschutz“. Sie schützt Umstehende vor den Aerosolen des Trägers, weil die Wolke etwas eingedämmt wird. Das macht sie aber auch, wenn ich sie aus Versehen mal „falsch“ berühre.

Und wozu jetzt die ganzen Auf- und Absetz-Regeln?

Wenn ich selbst infiziert bin, schade ich mir mit dem Berühren der Maske nicht. Und Hände-waschen (= sich und Fremde schützen!) wird ohnehin empfohlen.
Eine „Virus-Last“ an der Maske von außen, durch das An-Atmen fremder Aerosole halte ich ehrlich gesagt für sehr unwahrscheinlich. Also ist auch hier die Berührung der Maske belanglos.

Komplett ad absurdum wird das Ganze mit der „Tücher-Regel“ geführt: Ja! Auch einfache Halstücher oder Schals dürfen als Mund- Nasenschutz verwendet werden.
Äh…wie soll man die denn hinterher „fachgerecht“ verstauen? Welche Fläche ist denn genau „kontaminiert“?

Der geneigte Leser merkt es selbst? Rund um den MNS gibt´s mehr Fragen als Antworten.

Das mit dem Abstand ist wesentlich einfacher umzusetzen. Das wird auch besser verstanden und es ist wohl auch die wirklich effektivste Maßnahme.

( In der Klinik ist das Tragen eines MNS natürlich selbstverständlich! Hier sind die Artikel zertifiziert und sorgen für Infektionsschutz weit über Corona hinaus. )

Handschuhe

Tragen viele, braucht man aber nicht. Weil sie nicht von einer Sars-CoV-2-Infektion schützen, denn das Virus dringt nicht durch die Haut ein. Sinnvoll wären sie allenfalls, wenn man sie nach jeder Berührung / Tätigkeit wechselt. Aber das macht im Alltag niemand.
Also trägt man mit den Handschuhen den gleichen Dreck herum, der sonst auf den Händen wäre.  Möglicherweise wäscht man sich sogar noch seltener die Hände…

Geld für „unbürokratische Hilfen“

Plötzlich ist Geld da: Gerechnet wird in 100-Milliarden-Schritten. Über 600 Mrd. Euro als „Wirtschafts-Schutzschild“ in Deutschland.
156 Mrd. Euro werden als Kredit aufgenommen.

(https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html )

Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt für das Jahr 2020 umfasst 362 Mrd. Euro – bevor die Nachträge beschlossen wurden. Das bedeutet, es werden mal eben 50% des Volumens oben drauf gepackt.

Geld für Impfstoffe

156 Mrd. Euro nur für Deutschland…und dann kommt diese Meldung:

„Im Kampf gegen die Pandemie will eine weltweite Allianz mindestens 7,5 Milliarden Euro Anschubfinanzierung zusammenbringen – außer für Impfstoffe wird das Geld auch für Arzneien und Tests gesammelt. Die für Montagnachmittag geplante Online-Geberkonferenz, an der unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron teilnehmen wollten, wird von der EU-Kommission ausgerichtet.“ (diverse Agenturen)

Wow! Man bemüht sich, w e l t w e i t (!!) 7,5 Mrd. zusammenzukratzen für einen Impfstoff. Na wenn das mal klappt…das ist ja eine Riesensumme 😉

Sprühdesinfektion mit LKW

Ganz klar: Unsinn. Viele Länder machen das (und verwenden dafür zum Glück keinen Alkohol, sondern z.B. Wasserstoffperoxid), aber es hat null Effekt auf die Infektionsausbreitung.

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Fake News? Corona-Lüge? Oder was?

Ein Mann steht in Hamburg auf einer Brücke. Er schlägt sich ständig mit der Hand auf die Stirn. Fragt ihn ein Passant: „Warum machen Sie das?“
Der Mann antwortet: „Das vertreibt Krokodile!“
„Aber in Hamburg gibt es doch gar keine Krokodile…“
„Sehen Sie“, antwortet der Mann, „es wirkt!“

So oder ähnlich betrachten offenbar einige Zeitgenossen die aktuellen Entwicklungen rund um die „Corona-Krise“, wie sie insgesamt überschrieben wird.
Alles Lüge. Die Maßnahmen sind völlig ungerechtfertigt und unnötig. Alles gar nicht so schlimm. Das Ganze ist ein Witz – so wie die Zeilen zu Beginn dieses Beitrags.

Ich möchte auf einzelne Punkte eingehen, da sie in der täglichen Diskussion immer wieder auftauchen. Ich bin wahrlich kein Experte was die Infektionen mit SARS-CoV-2-Viren und die Covid-19-Erkrankung angeht. Ich bin nur ein einfacher Facharzt für Anästhesie in einer deutschen Klinik der Schwerpunktversorgung.
Wir behandeln täglich Covid-19-Patienten.
Und der medizinische Alltag hat sich seit März 2020 deutlich verändert.

„Die Corona-Epidemie ist nichts anderes als eine Grippewelle“
Ganz ehrlich: Das habe ich zu Beginn auch gedacht. Da war das Virus noch weit weg in China und die ersten Fälle in Europa verliefen mehr als glimpflich. Immer wieder war die Rede von „leichten Symptomen“ und fast alle wurden ohne Klinikaufenhalt gesund.
Jetzt aber stehen Kühllaster vor Kliniken in Italien und den USA. Es gibt eine deutliche Übersterblichkeit in Europa seit Beginn der Infektionswelle: https://www.merkur.de/welt/coronavirus-pandemie-studie-uebersterblichkeit-euromomo-todesopfer-zahl-zr-13716728.html
Über 140.000 Menschen sind innerhalb von 16 Wochen in Europa mehr gestorben, als normalerweise.
Der Vergleich mit einer Grippewelle ist damit klar wiederlegt.

„Die Corona-Toten wären ohnehin gestorben“
Stimmt. Irgendwann sterben wir alle mal. So ist unser Lebenszyklus defniert.
Die Frage ist nur: Wann genau sterben wir? Und wodurch?
Pathologen sollen herausgefunden haben, viele der sog. „Corona-Toten“ seien gar nicht durch die Covid-19-Erkrankung ums Leben gekommen. Sie hätten viel mehr an anderen Erkrankungen gelitten.
Natürlich stirbt man nicht direkt und unmittelbar an Covid-19. Denn die Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus ruft ja keine eigenständige Erkrankung hervor (die Grippe im übrigen auch nicht!). Der Erreger sorgt für eine ganze Reihe von Erkrankungen, die wir schon kennen:
– Lungenentzündung, wenn der Erreger in die Lunge wandert
– Lungenembolie, weil der Erreger offenbar Blutgerinnung und Gefäßwände angreift
– Herzschwäche, weil der Erreger den Herzmuskel schwächt
Und es sind diese Erkrankungen, die dann zum Tode führen, weil Organe schon vorgeschädigt sind. Das passiert bei der Grippe auch. Und es passiert auch, wenn ein „geschwächter“ Körper sich z.B. nach einer großen OP nicht erholt.
Die Todesursache ist dann in der Tat z.B. die Lungenentzündung – aber sie ist eben direkte Folge einer OP oder eben einer Covid-19-Erkrankung.
Ohne Covid-19-Erkrankung gäbe es jetzt keine Lungenentzündung und damit auch jetzt keinen Tod. Und wenn in einem Altersheim plötzlich innerhalb von zwei Wochen fast 50% aller SARS-CoV-2-Infizierten sterben (wie in Wolfsburg geschehen), dann ist das kein Zufall oder der normale Lauf der Dinge.

Eine SARS-Cov-2-Infektion ist wie eine Erkältung“
Ja. Kann so verlaufen. Und meistens ist das so.
Aber wehe, wenn nicht: Dann liegt man über viele Wochen auf der Intensivstation und je älter man ist, desto höher ist das Risiko zu sterben.
Aktuell stirbt in Deutschland jeder 3. Patient, der wegen Covid-19 auf einer Intensivstation liegt.
Das Durchschnittsalter aller Todesfälle liegt bei rund 80 Jahren – das ist übrigens in fast allen Ländern ähnlich.
Viele der beatmeten Patienten sind auch nach vier Wochen noch immer am Beatmungsgerät. So lange Verläufe kennt man von anderen Lungenentzündungen nicht. Nicht in der Häufigkeit und Ausprägung.
Covid-19 ist anders. Schwer erkrankte Patienten benötigen sehr lange ein Intensivbett. Und wenn man es überstanden hat, ist man noch lange nicht „gesund“. Das zeigen erste Berichte von Genesenen.

„Die Maßnahmen sind übertrieben“
0,6% – 1% aller Infizierten kommen auf die Intensivstation und müssen beatmet werden.
Bei 1000 Neu-Infizierten (aktuelle Zahl Anfang Mai 2020) sind das bundesweit jeden Tag 6 bis 10. Also in der Woche 42 bis 70 und im Monat 180 bis 300.
Und fast alle Menschen von Tag 1 liegen an Tag 30 immer noch dort. Weil die Behandlung so lange dauert. Das ist nicht nur in meiner Klinik so, das haben mir auch auch Kollegen aus anderen Kliniken so berichtet.
Bei 7.000 Neu-Infizierten pro Tag (Ende März 2020) wären das 1200 bis 2100 Patienten pro Monat. Aktuell sind rund 13.000 Betten frei, d.h. nach einem halben Jahr wären die Kapazitäten weitgehend erschöpft.
De facto sind heute (03.05.2020) noch 1422 Patienten mit Covid-19 am Beatmungsgerät. Das sind 0.9 % aller jemals in Deutschland positiv getesten Fälle. Jetzt sind aber schon 130.000 gesund, d.h. es gibt aktuell noch 35.000 Fälle. Davon sind dann 4% beatmet. Und die Infektionswelle läuft erst seit knapp zwei Monaten.
4 % aller positiv getesteten Patienten sind außerdem bereits tot.
Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen und Todesfälle durch Covid-19 zu verhindern: Die tägliche Anzahl der Neuinfektionen reduzieren. Soweit es nur irgendwie geht.
Genau das ist uns in Deutschland gelungen.
Auch ich stimme nicht mit allen getroffenen Maßnahmen überein – aber: Das beschlossene Paket war weitgehend richtig.
Die Situation war für uns alle neu – niemand von uns weiss, welche Entscheidung jetzt genau richtig oder falsch ist.
Der „schwedische“ Weg? Schweden hat 1/8 unserer Einwohnerzahl. Die Anzahl der Infektionen passt dazu…aber es sterben 12%, also dreimal soviel Menschen wie hier. Und Schweden hat immer noch 500 bis 800 Neuinfektionen am Tag, das haben wir hier auch fast erreicht – mit 8 x mehr Einwohnern!

Zusammenfassend glaube ich, das wir in Deutschland sehr viel richtig gemacht haben.

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Klimawandel

Die Sonne scheint von oben munter,

die Pegel gehen weiter runter,

der Rasen wird gar nicht mehr nass,

Klimawandel nennt man das.

Die AfD dröhnt überall,

die SPD im freien Fall,

Politik macht wenig Spass,

Klimawandel nennt man das.

Aus den Staaten twitterts laut,

so manche Lösung wird verbaut,

und man kommt schnell ins kurze Gras,

Klimawandel nennt man das.

Warme Weihnacht steht bevor,

das neue Jahr steht vor dem Tor.

Wie werden sich die Dinge wenden?

Werden wir mehr Organe spenden?

Wird das Wetter wieder schlechter?

Wird die Welt endlich gerechter?

Ich kann nicht in die Zukunft seh´n,

drum ruf ich nur laut: Feiert schön!

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Grenzwerte…

Heute Abend berät die Koalition…erneut…darüber, was mit alten Diesel-Autos passieren soll.

Worum geht´s nochmal?

Irgendwas war mit den Werten nicht in Ordnung, die hinten aus dem Auspuff kommen.

Und warum war das nochmal so entscheidend?

Der schlechte Wert am Ende des Auspuffs ist verantwortlich für die schlechten Werte in der Luft (und wir reden hier nur und ausschließlich von Stickstoffdioxid!).

Und warum sind die schlechten Werte in der Luft jetzt so schlimm?

Nun, man hat herausgefunden, das diese Werte uns krank machen. Und dann hat man gleich einen Grenzwert festgelegt, der uns sagt: Ab hier wird´s richtig böse…

Also will man die Autos nur deshalb verbannen/verbessern, damit ein bestimmter Grenzwert eingehalten wird?

Richtig. Nur darum geht es.

Nun findet sich hier: Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1645 / B-1387 / C-1375
https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=200863

eine interessante Abhandlung zu genau diesem Grenzwert.

„Fazit:

  • Die Analyse der Studiendaten zu Feinstaub und NO2 entbehren einer soliden wissenschaftlichen Basis.
  • Die derzeitigen Grenzwerte für Feinstaub und NO2 sind daraus nicht ableitbar, ebenso die hochgerechnete Mortalität.
  • Dieser Beitrag soll einer Versachlichung der Diskussion dienen. Sie ist keine „Absolution“ für die unverantwortlichen Manipulationen wesentlicher Teile der Autoindustrie bezüglich des Schadstoffausstoßes.“

Auf den letzten Punkt in diesem Fazit möchte ich ausdrücklich hinweisen!

Dennoch streitet man hier monatelang mit viel Energie und Personalaufwand über etwas, das offenbar durch rein gar nichts bewiesen ist: Einen (imaginären?) Grenzwert, aus dem weitreichende Konsequenzen abgeleitet werden.

Hätte man nicht viel besser Zeit und Geld in die Frage investiert, wie man Ballungsräume insgesamt vom Verkehr entlasten kann (ÖPNV etc.). Denn insbesondere der Feinstaub scheint weit mehr für Gesundheritsschäden verantwortlich zu sein.

Und Feinstaub entsteht vor allem durch Reifenabrieb.
Reifenabrieb wiederum entsteht durch Verkehr.

Und wohlgemerkt: Die Menschen, die da heute beraten, wollen offenbar nicht, das sich der Individualverkehr reduziert. Jeder soll mit seinem Auto ungehindert in Ballungsräume kommen, wenn er das möchte.

Das halte ich einmal mehr für „grenzwertig“…

Grenzenlos grenzwertig…

Jetzt ist sie da – die Katastrophe!
Das Bundesverwaltungsgericht hat Fahrverbote für grundsätzlich zulässig erklärt.
Und die Medien überschlagen sich: Wertverluste von Diesel-Fahrzeugen, Ausnahmeregelungen, Arbeitnehmer die nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen…kurzum:

Dem Land droht von einer Sekunde auf die andere ein Kollaps.
Weil alles so schnell und überraschend kam…

Äh. Schnell?
Die Grenzwerte, um die es aktuell geht, gelten bereits seit 2010, also seit acht Jahren!
Das Stickstoffdioxid-Problem ist schon seit über 20 Jahren bekannt:

Zu diesem Zeitpunkt (1995) haben unsere Telefone noch so ausgesehen:

In Computern war ein „Pentium x86“ verbaut und mit 4 Megabyte RAM und 80 Megabyte Festplatte war man zufrieden. Internet? Gab´s noch nicht so wirklich…
Der Bulli von VW hiess „T4“, hatte rund 80 PS und verbrauchte 12 Liter Diesel auf 100 km.

Und heute?
Die Speicherkapazitäten in PC sind um den Faktor 1.000 (!) gestiegen.
Wir haben rasend schnelles Internet und schicken riesige Datenmengen in kürzester Zeit um die Welt. 1995 kannte man noch das „Telegramm“…

Der Bulli von VW heisst mittlerweile T6. Mit 84 PS soll er 6-8 Liter verbrauchen, aber die meisten fahren eher ab 100 PS aufwärts. Und da liegt der Verbrauch nur wenig unter dem von 1995…

Was ich damit sagen will:
Während in vielen Sektoren die Entwicklung explodiert ist, scheint im Bereich „Verkehrsentwicklung“ die Zeit stehen geblieben zu sein.

  • In vielen Städten fahren heute noch Straßenbahnen und/oder U-Bahnen aus den 90er Jahren umher
  • Windräder „zieren“ landauf/landab die Flächen, der Transrapid war damals u.a. wegen „Verschandelung des Landschaftsbildes“ (Fahrt auf Stelzen-Brücken) nicht umzusetzen.
  • Ein „moderner“ Linienbus (Bj. 2016) verbraucht immer noch 40 Liter Diesel/100 km.
  • Streckennetze der Bahn sind marode, es sind immer noch viele ICE´s der 1. und 2. Generation unterwegs (20-25 Jahre alt)
  • Der Neubau eines Bahnhofes oder ähnlicher Grossprojekte ist unter 10 Jahren nicht zu machen
  • Von 2006 bis 2017 stieg die Zahl von Elektroautos von knapp 2.000 auf rund 35.000. Bei 4 Mio. Neuzulassungen macht das 2017 gerade mal: knapp 1%. In Norwegen sind es über 50%!

Deutschland hat die Entwicklung moderner Nah- und Fernverkehrssysteme verschlafen. ÖPNV-Infrastruktur von Ballungszentren wurde nicht weiterentwickelt. Und jetzt ist das Geschrei groß.
Dabei war das Ganze absehbar.

Jetzt wird es – tatsächlich 😉 – Zeit, sich forciert über Lösungen Gedanken zu machen. Ideen gibt´s genug und das Urteil aus Leipzig mag helfen, ernsthaft über Lösungen abseits des motorisierten Individualverkehrs nachzudenken.

Diesel, Stickoxide und mehr…

Puh – ist das kompliziert! ( Ich beziehe mich auf diese beiden Blog-Beiträge: http://blog.flaccus-hildesheim.de/2017/09/14/diesel-affaere-teil-2/
und http://blog.flaccus-hildesheim.de/2017/09/06/die-sache-mit-der-diesel-affaere/ )

Ein längeres Gespräch mit einem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes (UBA) sollte Licht ins Dunkel bringen. Wie kommt es zu dieser Grafik,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wenn gleichzeitig andere Tabellen des UBA nur rund 40% Anteil ausweisen?

Ich probiere es mal:

Berichtspflichtig“ gegenüber der EU sind Stickoxide (NOx).
Daher enthalten auch alle veröffentlichten Tabellen über Emissionen den Wert für Stickoxide (NOx).
Die Grafix aber stellt Stickstoffdioxide dar (NO2).
Alle Messtationen an Straßen messen: Stickstoffdioxide (NO2).
Die Grenzwerte für Arbeitsplatz und Außenluft gelten für: Stickstoffdioxide (NO2).

Die Werte, die man bei den Auto-Abgasen aber direkt misst, sind wiederum: Stickoxide (NOx).
Die Grenzwerte für die verschiedenen Euronormen (E3, E4, E5, E6 usw.) gelten auf der Basis von: Stickoxiden (NOx).

Stickstoffdioxide (NO2) sind aber die Stoffe, die uns tatsächlich gesundheitliche Probleme bereiten. Sie sorgen u.a. für Atemprobleme bei zu hohen Konzentrationen.

Und jetzt wird´s noch komplizierter: Die neueren Dieselmotoren ab E4 mit Abgasrückführung und/oder bestimmten Katalysatoren stoßen anteilsmäßig mehr NO2 aus, als ältere Motoren oder LKW-Diesel.
Das ist nicht schlimm, denn eigentlich sollte ja deutlich weniger NOx ausgestossen werden. Das hätte dann automatisch auch den NO2-Anteil deutlich gesenkt. Aber weil nun die Autohersteller geschummelt haben, ist der NO2-Anteil deutlich höher und damit steigt auch der prozentuale Anteil der PKW-Diesel an der NO2-Belastung deutlich. Auch wenn das direkt am Auspuff nicht gemessen wird!

Das UBA verlässt sich hier auf „Berechnungen“ und „Schätzwerte„, die man für den „ungefähren NO2-Ausstoß“ annimmt…konkrete, belastbare Zahlen gibt es dafür nicht.

Alles klar?

Ich habe den Verdacht, hier wird ganz schön dolle im Schadstoff-Nebel gestochert und jeder legt sich die Zahlen so zurecht, wie es gerade passt.

 

 

Diesel-Affäre – Teil 2

Die Sache ist offenbar komplizierter, als gedacht.
Im Rahmen eines Schriftwechsels mit dem Umweltbundesamt (UBA) kam heraus, das ich bei der Berechnung des PKW-Anteils bei den NOx-Emissionen tatsächlich einen Fehler gemacht habe. Ich hatte fälschlichwerweise den Anteil für „leichte Nutzfahrzeuge“ zu Grunde gelegt.

Das war falsch.

Das UBA teilte dazu mit:

„leider ein Problem der Möglichkeit, in Excel Tabellensichten zu “fixieren” – d.h. bestimmte Spalten und Zeilen immer in der Ansicht zu haben…Hier hilft nur ausschalten dieser Fixierung oder mit dem Cursor in eine Zelle der Zeile 19 gehen und dann noch oben scrollen – zufällig sind in der Ansicht gerade die Zeilen 15, 16 und 17 „weggerollt“… Sicher kein Vorsatz!“

Okay – habe ich gemacht. Hier die „richtige“ Tabelle:

Jetzt sind auch die „echten“ Diesel-PKW dabei und in der Tat beträgt ihr Anteil im Bereich Verkehr im Jahr 2015 rund 40%. Das ist natürlich etwas anderes als 7%…sorry.

Aber wie erklärt sich dann diese Grafik:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwort des UBA:

Die von Ihnen beigefügte Grafik entstammt einer sehr aktuellen Presseinformation, in der schon die Erkenntnisse des Dieselskandals überschlägig berücksichtigt wurden. Dies war in der tabellarischen Darstellung auf Grund der Aktualität noch nicht der Fall. Die sehr detaillierten Berechnungen der Emissionen (auch in der Zeitreihe) erfolgen einmal jährlich – immer zum Jahresende hin. Details zu diesen Rechnungen finden Sie hier: http://iir-de.wikidot.com/1-a-3-b-road-transport.

Im Moment laufen diese Prozesse gerade, so dass wir zum Jahresende detaillierte Zeitreihen, die dann auch die aktuellen Erkenntnisse der Dieseldebatte mit berücksichtigen, veröffentlichen werden.“

Wow! Die Diesel-Schummelei erhöht also den Anteil der Diesel-PKW von 40% auf nunmehr über 70%? Ernsthaft? Das wäre ja fast eine Verdoppelung der Emissionen – und das wäre in der Tat ein Skandal…

Jedoch: Wenn ich dann den Link verfolge bin ich noch mehr verwirrt: Light-Duty-Vehicles 340.25 plus heavy-duty-vehicles 240.56 macht zusammen rund 680 kg/TJ.
Der PKW-Verkehr schlägt dagegen mit rund 260 kg/TJ zu Buche.
Wie kommt man da auf 40% Anteil durch Diesel PKW?

Antwort des UBA: „Bei den von Ihnen zitierten Angaben handelt es sich um Emissionsfaktoren (im konkreten Fall sogar um über die verschiedenen Schadstoffklassen gemittelte Werte). Deren Vergleich allein hilft im Grunde nicht, da die Emissionen sich ja erst durch die Multiplikation dieser Emissionsfaktoren mit den in den zugehörigen Klassen genutzten Kraftstoffmengen ergeben.“

Okay. Also habe ich multipliziert -> ändert aber nix: leichte und schwere LKW kommen zusammen auf einen Wert von rund 175.000, PKW auf 155.000. Offenbar aber noch ohne „Schummelfaktor“.

So oder so führt die UBA-Grafik im Rahmen der aktuellen Diskussion in die Irre, denn der Titel „Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus“ ist definitiv falsch!
Das meiste NO2 stößt der Sektor „Energie“ aus. Auch Luftverkehr liegt höher. Dann folgen schwere Nutzfahrzeuge und erst dann(!!) kommen Diesel-PKW!

Das kann auch die Behörde nicht wirklich von der Hand weisen:

„Die Überschrift der Grafik ist bei Herauslösung aus dem Zusammenhang der zugehörigen Presseinformation in der Tat verwirrend – diese bezieht sich ja nur auf den Straßenverkehr! Und da ist die Aussage richtig. Insofern wäre es hilfreich, wenn dieser Zusammenhang auch in der Grafik noch einmal explizit erwähnt werden würde.“

Was bleibt übrig? Die Zahlenspielereien rund um die Diesel-Affäre sind verwirrend. Es wird offenbar nicht mit offenen Karten gespielt und man interpretiert die Zahlen so, wie es gerade passt.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Die Sache mit der Diesel-Affäre…

Neben dem E-Auto-Hype war in den letzten Tagen auch die „Diesel-Affäre“ ein großes Thema in den Medien.

Wenn man mal ein bißchen detaillierter in die Thematik einsteigt, stellt man sich die Frage: Warum?

Der Anteil von Diesel-PKW an der Belastung mit Stickoxiden im Bereich Verkehr beträgt gerade mal 7,5%! EDIT: Dieser Wert ist falsch – siehe neuer Blog-Eintrag –

Diesel-Affäre – Teil 2

Quelle: Umweltbundesamt 2017

 

Küsten- und Binnenschiffahrt kommt fast auf gleich hohe Werte.
Land- und Forstwirtschaftlicher Verkehr ebenso.
und LKW/Busse emmitieren fast das Fünffache!

Aber man stürzt sich auf die 7,6 % und fordert nun lautstark irgendwelche Updates. Das Ergebnis wird dann wohl sein, dass die Gesamt-Eimissionen von rund 35 Kilotonnen auf vielleicht 30 Kilotonnen sinken. Wenn es überhaupt soviel ausmacht. Dann wären wir bei 6,5% Anteil am Bereich Verkehr.
Der Anteil an der Gesamt NOX-Belastung reduziert sich dadurch von rund 2,9% auf 2,5%.

Und dafür der Riesen-Aufwand?
Dafür droht man mit Fahrverboten – während LKW und Busse fröhlich weiter fahren dürfen?

Aus meiner Sicht ist das eine geradezu lächerliche Diskussion.
Wem nutzt sie eigentlich?

Die Sache mit dem E-Auto…

Nehmen wir mal an man fährt mit einem Auto rund 20.000 km pro Jahr. Dann liegt der Jahresverbrauch für ein Elektro-Auto ( #e-auto ) bei rund 4.000 kWh im Jahr. Das ist soviel wie ein 4-5-Personenhaushalt in einem Einfamilienhaus jährlich verbraucht.

Mit jedem E-Auto kommt also – rein stromverbrauchsmäßig gesehen – ein Familienhaushalt dazu, den unsere Stromversorger abdecken müssen. Davon sind zur Zeit rund 45 Mio. auf unseren Straßen unterwegs. Nur in Deutschland, wohlgemerkt. Haushalte haben wir nur rund 41 Mio. Der private Strombedarf würde sich also mehr als verdoppeln.

Dämmert es beim Lesen und Nachrechnen? Richtig. Auf unsere Stromversorger kommen in den nächsten Jahren gewaltige Aufgaben zu. Und dabei reden wir noch nicht über den Ressourcenverbrauch für die Produktion von Batterien. Das Lithium könnte nämlich knapp werden (Stand 12.08.17): http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/elektroautos-wie-wuerde-ein-verbrenner-verbot-funktionieren-a-1116158-7.html

Schon jetzt fehlt es an leistungsstarken Leitungen, die den Windkraft-Strom quer durch´s Land transportieren können. Das wird auch in den nächsten 20 Jahren nicht gelöst sein. Und unter diesem Prämissen propagieren Politiker eine Quote für E-Autos? Das ist meiner Meinung nach der völlig falsche Weg!

Elektromobilität kann nur ein Baustein von ganz vielen sein, um die Emissionsproblematik zu lösen. Es ist aber absolut falsch, diesen Baustein jetzt so in den Vordergrund zu rücken und den Menschen damit das Gefühl zu geben: E-Mobilität ist die Lösung!

Ist sie nicht. Wir brauchen eine Abkehr vom energieverzehrenden (!) Individualverkehr in den Ballungsräumen. Gefragt sind intelligente Konzepte für den ÖPNV und eine forcierte Weiterentwicklung alternativer Beförderungsmittel: Bus, Bahn, P+R mit enger Taktung in die Ballungsräume u.v.m.

Wir brauchen keine E-Autos. Wir brauchen grundsätzliche Beförderungs-Alternativen. Darin sollte man „Energie“ investieren – soviel wie möglich.

 

Schuhstraße – auf der Suche nach einer Lösung…

17.000 Fahrzeuge fahren täglich durch die Schuhstraße. Das sind rund 700 pro Stunde und rund 12 pro Minute. (Quelle. Zählungen der Stadt Hildesheim aus dem Jahr 2006). Am Tage sind es deutlich mehr…und nachts natürlich viel weniger.

Jetzt wurde vom Land Niedersachsen beanstandet, das die Stickoxid-Belastung in der Schuhstraße zu hoch ist. Das ist schon lange bekannt, aber die Stadt hat bisher nicht gehandelt.

Verschiedene Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch:

  • Grüne Welle für die Schuhstraße
  • Tempo 30
  • Tempo 20
  • Sperrung für den LKW-Verkehr
  • Elektro-Busse statt Diesel
  • komplette Sperrung, außer für Busse und Radfahrer

Um sich einer guten Lösung zu nähern, muss man sich ein paar Fakten vergegenwärtigen.

Der Querverkehr

Die Schuhstraße kreuzt zwei ver-kehrsstarke Achsen. Die Achse Zingel – Wollenweberstraße hat eine Belastung von 15.000 – 20.000 Fahrzeugen pro Tag, ist also ähnlich stark belastet wie die Schuhstraße selbst.

Die Achse Bohlweg – Kardinal-Bertram-Straße hat eine Belastung von 10.000 bis 12.000 Fahrzeuge pro 24 Stunden.

Jede Veränderung der Ampelphasen zu Gunsten der Schuhstraße sorgt also für zusätzliche Behinderungen auf diesen – ebenfalls stark frequentierten – Achsen.

Der Bedarf der Fußgänger

In Höhe der Fußgängerzone an der Almsstraße ist eine Bedarfsampel für Fußgänger. Die Wartezeit beträgt schon jetzt manchmal bis zu zwei Minuten. Längere Wartezeiten sind kaum zumutbar und würden zu (noch mehr) kritischen Situationen durch ungeduldige Fußgänger führen.

Die Lösung dieses Problems ist nicht einfach.

Bewertung der Vorschläge

Grüne Welle: Ist wenig hilfreich, weil dadurch der Querverkehr zusätzlich behindert wird. Hier warten pro Kreuzung ähnlich viele Fahrzeuge wie auf der Schuhstraße selbst…

Tempo 30 oder 20: Reduziert nicht das Verkehrsaufkommen. Die aktuell gefahrene Geschwindigkeit ist schon jetzt zu Spitzenzeiten eher 20 statt 50 km/h.

Sperrung für LKW-Verkehr: Der LKW-Anteil ist nicht das Problem in der Schuhstraße. Hier steht ganz klar der PKW-Individualverkehr im Vordergrund.

Elektro-Busse: 4 x 4 = 16 Busse pro Richtung und Stunde macht rund 600 Busse am Tag (18 Stunden Betriebszeit bzw. nachts weniger). Das sind ca. 3 % (!!) des gesamten Verkehrsaufkommens. Ob das allein hilft?

Komplette Sperrung: Eine Sperrung mag die isolierte Belastung der Schuhstraße reduzieren. Aber um welchen Preis? Die umliegenden Straßen sind schon jetzt stark belastet (s.o.). Wo soll der Verkehr hin?

Die Lösung ist in der Tat nicht einfach. Es gibt sehr viele Faktoren zu berücksichtigen. Auf jeden Fall wird eine „neue Verkehrszählung“ (Stadtverwaltung gegenüber der Presse) kaum weiterhelfen.

Hildesheim braucht endlich ein Gesamtkonzept für eine intelligente Verkehrsgestaltung. Teilaspekte hierfür können sein:

  • Förderung des ÖPNV (Kurzstrecken-Ticket, Fahrrad-Mitnahme, Taktzeiten)
  • Erstattung von ÖPNV-Kosten durch Innenstadt-Händler
  • City-naher P&R-Parkplatz (Kennedydamm / Volksbank)
  • Bessere Verkehrslenkung auf der B1 / Kaiserstraße (bedarfsadaptiert über Schleifen und Kameras)
  • Förderung von Alternativen. Es reicht nicht, nur den motorisierten Verkehr zurückzudrängen. Die Menschen müssen spüren, das Bus / P & R oder das Fahrrad gute Alternativen sind.

Wenn sich seit Jahrzehnten nichts bewegt, sollte man seinen Horizont ggfs. für gänzlich neue Wege öffnen. Es wird Zeit für mutige Ideen – leider hat man aktuell das Gefühl, genau daran mangelt es…