Wach…

Meine Güte, was für ein Hype um diese Meldung welche auf folgender Original-Mitteilung beruht:

„Michael hat das CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen. Er ist nicht mehr im Koma.“

„Nicht mehr im Koma“…das bedeutet er ist nicht mehr in folgendem defniterten Zustand:

„Das Koma ist der schwerste Grad einer quantitativen Bewußtseinsstörung oder Bewußtlosigkeit. Patienten im Koma sind nicht ansprechbar, zeigen keine Reaktion auf starke Außenreize und haben keine Spontanatmung.“ (Quelle: Doc-Check-Flexikon)

Übersetzt heißt also“kein Koma“ soviel wie: Der Mensch atmet und reagiert – in welcher Form auch immer! – auf äußere Reize. Das kann Stirnrunzeln sein oder heftige Atmung, es kann auch nur der Blutdruck oder die Herzfrequenz steigen.

Aber eines ist sicher: Nach „kein Koma“ kommt nur selten der Zustand „wach“! Es ist oft ein monate- wenn nicht sogar jahrelanger Weg, bis eine geordnete Kommunikation mit der Umwelt möglich ist. Wenn es überhaupt jemals dazu kommt.

Und was macht die Presse?

Bild: „Michael Schuhmacher ist wach!“

Hildesheimer-Allgemeine-Zeitung: „Er ist wach!“

Handelszeitung.ch: „Ist wach und wieder in der Schweiz“

Motorsport-Magazin: „Schumi ist wach“

Fast alle anderen Medien verwenden die Phrase „aus Koma erwacht

Der absolute Gipfel ist aber das hier:

Wahnsinn“, twitterte die Redaktion von „RTL Exclusiv“ am frühen Montagabend, „Schumi schaut heute Abend das Deutschlandspiel um seinem Freund Lukas Podolski die Daumen zu drücken!“ (Quelle: Faz.net)

So sehr auch ich dem Formel-1-Idol schnelle Genesung wünsche – von „wach“ ist er wahrscheinlich noch weit entfernt.

Einmal mehr offenbart sich hier die oftmals ungebremste und vor allem ungeprüfte (= nicht-recherchierte!) Verbreitung von sogenannten „Nachrichten“. Was dabei heraus kommt, ist immer öfter einfach nur peinlich und wirft kein gutes Licht auf den Berufsstand der Journalisten. So darf sich übrigens jeder nennen, der sich so nennen will. Ich selbst habe viele Jahre als „freier Journalist“ gearbeitet.

Noch ein Beispiel gefällig (aus unserer heutige Tageszeitung):

„Gut fünf Wochen vor seinem ersten Geburtstag ist Baby George an der Hand seiner Mutter über eine Wiese gelaufen.“

Kein Kommentar.

 

 

Schreibe einen Kommentar