Es reicht nicht, sich aufzuregen…

Die Vorgänge in Sachsen vom vergangenem Wochenende haben erwartungsgemäß reichlich Reaktionen hervorgerufen.

Das ist gut so. Gegen derart ekelhafte Tendenzen, wie sie in Bautzen und Clausnitz zu Tage kamen, müssen wir uns wehren. Und es ist richtig, sich aufzuregen. In Blogs, auf Facebook, bei Twitter, vor der Kamera…aber das reicht nicht.

Es wird Zeit, die wirklichen Ursachen für dieses Verhalten zu bekämpfen – und damit meine ich nicht die hohle Phrase, man müsse dafür sorgen, „das die Lage im Nahen Osten wieder stabil wird“. Klar, das ist auch wichtig. Aber es löst nicht die aktuellen Probleme hier vor Ort. Es geht vielmehr um die Dinge, die hier und jetzt bei uns passieren. Jeden Tag.

Im Januar gab es über 52.000 neue Asylanträge. Es wurden aber nur 49.300 Entscheidungen getroffen. (Quelle: BAMF). Also wächst der Stau an unbearbeiteten Anträgen weiter. Jeden Tag. Geht man von der Schätzung der Kanzelrin aus, kommen jeden Monat weitere 63.000 Menschen dazu (Quelle: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/02/15/angela-merkel-die-zahl-der-fluechtlinge-geht-zurueck/ ; abgerufen am 22.02.16 ). Und längst nicht alle sind erfasst, sodaß die Wartezeit auf einen Asylantrag noch weiter wachsen dürfte. Man schafft offenbar nur ein knappes Drittel der Ankommenden (18.000) ( Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/fluechtlings-registrierung-gewerkschaft-und-polizei-streiten-um-richtige-zahlen/12874948.html)

Es warten also noch riesige Berge an unerledigten Aufgaben:

All´ diese Menschen – und noch weit mehr die hier nicht mitgezählt werden – warten also auf ihr „Ankommen“ in Deutschland. Solange die Basismaßnahmen (Registrierung, Asylantrag, Entscheidung) nicht in Angriff genommen werden, kann es keine geordnete Integration geben. Und je länger das dauert, desto größer wird die Gefahr, das sich die Ereignisse des vergangenen Wochenendes wiederholen.

Es ist den Verantwortlichen bis heute nicht gelungen, eine Perspektive für das aufzuzeigen, was unsere Kanzlerin mit den Worten „wir schaffen das“ skizziert hat. Aktuell sehen die Menschen nur einen ungebremsten Zustrom von Hilfesuchenden aus anderen Ländern. Und sie lesen von:

  • Absenkung des Mindestlohns für Flüchtlinge
  • immer mehr Grenzkontrollen in Europa
  • Diskussion über eine Quote, obwohl die Regierung „eigentlich“ keine Quote will…

Unterschwellig wird damit auch in Deutschland eine das-Boot-ist-langsam-voll-Debatte unterhalten. Niemand sagt es so richtig, aber man hat irgendwie das Gefühl…

Es geht nicht wirklich voran bei der Bewältigung der eigentlichen Aufgabe: Schnelle und nachhaltige Integration. Solange das nicht gelingt, wird es weitere Vorfälle wie in Sachsen geben. Und wir werden uns wieder aufregen. Aber das reicht nicht.

Aufregen hilft den betroffenen Menschen in den Unterkünften nicht. Sie müssen schnellstmöglich integriert werden: Eigene Wohnungen, Kindergärten, Schulen, soziales Umfeld, Arbeit. Die Massenunterkünfte müssen zügig wieder aufgelöst werden. Das ist die einzig zielführende Lösung – aber sie erfordert (siehe meine älteren Blogeinträge) Ehrlichkeit im Umgang mit den Fakten und eine echte Kraftanstrengung von uns allen.

Nur aufregen – das reicht nicht.