Schuhstraße – auf der Suche nach einer Lösung…

17.000 Fahrzeuge fahren täglich durch die Schuhstraße. Das sind rund 700 pro Stunde und rund 12 pro Minute. (Quelle. Zählungen der Stadt Hildesheim aus dem Jahr 2006). Am Tage sind es deutlich mehr…und nachts natürlich viel weniger.

Jetzt wurde vom Land Niedersachsen beanstandet, das die Stickoxid-Belastung in der Schuhstraße zu hoch ist. Das ist schon lange bekannt, aber die Stadt hat bisher nicht gehandelt.

Verschiedene Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch:

  • Grüne Welle für die Schuhstraße
  • Tempo 30
  • Tempo 20
  • Sperrung für den LKW-Verkehr
  • Elektro-Busse statt Diesel
  • komplette Sperrung, außer für Busse und Radfahrer

Um sich einer guten Lösung zu nähern, muss man sich ein paar Fakten vergegenwärtigen.

Der Querverkehr

Die Schuhstraße kreuzt zwei ver-kehrsstarke Achsen. Die Achse Zingel – Wollenweberstraße hat eine Belastung von 15.000 – 20.000 Fahrzeugen pro Tag, ist also ähnlich stark belastet wie die Schuhstraße selbst.

Die Achse Bohlweg – Kardinal-Bertram-Straße hat eine Belastung von 10.000 bis 12.000 Fahrzeuge pro 24 Stunden.

Jede Veränderung der Ampelphasen zu Gunsten der Schuhstraße sorgt also für zusätzliche Behinderungen auf diesen – ebenfalls stark frequentierten – Achsen.

Der Bedarf der Fußgänger

In Höhe der Fußgängerzone an der Almsstraße ist eine Bedarfsampel für Fußgänger. Die Wartezeit beträgt schon jetzt manchmal bis zu zwei Minuten. Längere Wartezeiten sind kaum zumutbar und würden zu (noch mehr) kritischen Situationen durch ungeduldige Fußgänger führen.

Die Lösung dieses Problems ist nicht einfach.

Bewertung der Vorschläge

Grüne Welle: Ist wenig hilfreich, weil dadurch der Querverkehr zusätzlich behindert wird. Hier warten pro Kreuzung ähnlich viele Fahrzeuge wie auf der Schuhstraße selbst…

Tempo 30 oder 20: Reduziert nicht das Verkehrsaufkommen. Die aktuell gefahrene Geschwindigkeit ist schon jetzt zu Spitzenzeiten eher 20 statt 50 km/h.

Sperrung für LKW-Verkehr: Der LKW-Anteil ist nicht das Problem in der Schuhstraße. Hier steht ganz klar der PKW-Individualverkehr im Vordergrund.

Elektro-Busse: 4 x 4 = 16 Busse pro Richtung und Stunde macht rund 600 Busse am Tag (18 Stunden Betriebszeit bzw. nachts weniger). Das sind ca. 3 % (!!) des gesamten Verkehrsaufkommens. Ob das allein hilft?

Komplette Sperrung: Eine Sperrung mag die isolierte Belastung der Schuhstraße reduzieren. Aber um welchen Preis? Die umliegenden Straßen sind schon jetzt stark belastet (s.o.). Wo soll der Verkehr hin?

Die Lösung ist in der Tat nicht einfach. Es gibt sehr viele Faktoren zu berücksichtigen. Auf jeden Fall wird eine „neue Verkehrszählung“ (Stadtverwaltung gegenüber der Presse) kaum weiterhelfen.

Hildesheim braucht endlich ein Gesamtkonzept für eine intelligente Verkehrsgestaltung. Teilaspekte hierfür können sein:

  • Förderung des ÖPNV (Kurzstrecken-Ticket, Fahrrad-Mitnahme, Taktzeiten)
  • Erstattung von ÖPNV-Kosten durch Innenstadt-Händler
  • City-naher P&R-Parkplatz (Kennedydamm / Volksbank)
  • Bessere Verkehrslenkung auf der B1 / Kaiserstraße (bedarfsadaptiert über Schleifen und Kameras)
  • Förderung von Alternativen. Es reicht nicht, nur den motorisierten Verkehr zurückzudrängen. Die Menschen müssen spüren, das Bus / P & R oder das Fahrrad gute Alternativen sind.

Wenn sich seit Jahrzehnten nichts bewegt, sollte man seinen Horizont ggfs. für gänzlich neue Wege öffnen. Es wird Zeit für mutige Ideen – leider hat man aktuell das Gefühl, genau daran mangelt es…

 

 

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