Diesel, Stickoxide und mehr…

Puh – ist das kompliziert! ( Ich beziehe mich auf diese beiden Blog-Beiträge: http://blog.flaccus-hildesheim.de/2017/09/14/diesel-affaere-teil-2/
und http://blog.flaccus-hildesheim.de/2017/09/06/die-sache-mit-der-diesel-affaere/ )

Ein längeres Gespräch mit einem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes (UBA) sollte Licht ins Dunkel bringen. Wie kommt es zu dieser Grafik,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wenn gleichzeitig andere Tabellen des UBA nur rund 40% Anteil ausweisen?

Ich probiere es mal:

Berichtspflichtig“ gegenüber der EU sind Stickoxide (NOx).
Daher enthalten auch alle veröffentlichten Tabellen über Emissionen den Wert für Stickoxide (NOx).
Die Grafix aber stellt Stickstoffdioxide dar (NO2).
Alle Messtationen an Straßen messen: Stickstoffdioxide (NO2).
Die Grenzwerte für Arbeitsplatz und Außenluft gelten für: Stickstoffdioxide (NO2).

Die Werte, die man bei den Auto-Abgasen aber direkt misst, sind wiederum: Stickoxide (NOx).
Die Grenzwerte für die verschiedenen Euronormen (E3, E4, E5, E6 usw.) gelten auf der Basis von: Stickoxiden (NOx).

Stickstoffdioxide (NO2) sind aber die Stoffe, die uns tatsächlich gesundheitliche Probleme bereiten. Sie sorgen u.a. für Atemprobleme bei zu hohen Konzentrationen.

Und jetzt wird´s noch komplizierter: Die neueren Dieselmotoren ab E4 mit Abgasrückführung und/oder bestimmten Katalysatoren stoßen anteilsmäßig mehr NO2 aus, als ältere Motoren oder LKW-Diesel.
Das ist nicht schlimm, denn eigentlich sollte ja deutlich weniger NOx ausgestossen werden. Das hätte dann automatisch auch den NO2-Anteil deutlich gesenkt. Aber weil nun die Autohersteller geschummelt haben, ist der NO2-Anteil deutlich höher und damit steigt auch der prozentuale Anteil der PKW-Diesel an der NO2-Belastung deutlich. Auch wenn das direkt am Auspuff nicht gemessen wird!

Das UBA verlässt sich hier auf „Berechnungen“ und „Schätzwerte„, die man für den „ungefähren NO2-Ausstoß“ annimmt…konkrete, belastbare Zahlen gibt es dafür nicht.

Alles klar?

Ich habe den Verdacht, hier wird ganz schön dolle im Schadstoff-Nebel gestochert und jeder legt sich die Zahlen so zurecht, wie es gerade passt.

 

 

Diesel-Affäre – Teil 2

Die Sache ist offenbar komplizierter, als gedacht.
Im Rahmen eines Schriftwechsels mit dem Umweltbundesamt (UBA) kam heraus, das ich bei der Berechnung des PKW-Anteils bei den NOx-Emissionen tatsächlich einen Fehler gemacht habe. Ich hatte fälschlichwerweise den Anteil für „leichte Nutzfahrzeuge“ zu Grunde gelegt.

Das war falsch.

Das UBA teilte dazu mit:

„leider ein Problem der Möglichkeit, in Excel Tabellensichten zu “fixieren” – d.h. bestimmte Spalten und Zeilen immer in der Ansicht zu haben…Hier hilft nur ausschalten dieser Fixierung oder mit dem Cursor in eine Zelle der Zeile 19 gehen und dann noch oben scrollen – zufällig sind in der Ansicht gerade die Zeilen 15, 16 und 17 „weggerollt“… Sicher kein Vorsatz!“

Okay – habe ich gemacht. Hier die „richtige“ Tabelle:

Jetzt sind auch die „echten“ Diesel-PKW dabei und in der Tat beträgt ihr Anteil im Bereich Verkehr im Jahr 2015 rund 40%. Das ist natürlich etwas anderes als 7%…sorry.

Aber wie erklärt sich dann diese Grafik:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwort des UBA:

Die von Ihnen beigefügte Grafik entstammt einer sehr aktuellen Presseinformation, in der schon die Erkenntnisse des Dieselskandals überschlägig berücksichtigt wurden. Dies war in der tabellarischen Darstellung auf Grund der Aktualität noch nicht der Fall. Die sehr detaillierten Berechnungen der Emissionen (auch in der Zeitreihe) erfolgen einmal jährlich – immer zum Jahresende hin. Details zu diesen Rechnungen finden Sie hier: http://iir-de.wikidot.com/1-a-3-b-road-transport.

Im Moment laufen diese Prozesse gerade, so dass wir zum Jahresende detaillierte Zeitreihen, die dann auch die aktuellen Erkenntnisse der Dieseldebatte mit berücksichtigen, veröffentlichen werden.“

Wow! Die Diesel-Schummelei erhöht also den Anteil der Diesel-PKW von 40% auf nunmehr über 70%? Ernsthaft? Das wäre ja fast eine Verdoppelung der Emissionen – und das wäre in der Tat ein Skandal…

Jedoch: Wenn ich dann den Link verfolge bin ich noch mehr verwirrt: Light-Duty-Vehicles 340.25 plus heavy-duty-vehicles 240.56 macht zusammen rund 680 kg/TJ.
Der PKW-Verkehr schlägt dagegen mit rund 260 kg/TJ zu Buche.
Wie kommt man da auf 40% Anteil durch Diesel PKW?

Antwort des UBA: „Bei den von Ihnen zitierten Angaben handelt es sich um Emissionsfaktoren (im konkreten Fall sogar um über die verschiedenen Schadstoffklassen gemittelte Werte). Deren Vergleich allein hilft im Grunde nicht, da die Emissionen sich ja erst durch die Multiplikation dieser Emissionsfaktoren mit den in den zugehörigen Klassen genutzten Kraftstoffmengen ergeben.“

Okay. Also habe ich multipliziert -> ändert aber nix: leichte und schwere LKW kommen zusammen auf einen Wert von rund 175.000, PKW auf 155.000. Offenbar aber noch ohne „Schummelfaktor“.

So oder so führt die UBA-Grafik im Rahmen der aktuellen Diskussion in die Irre, denn der Titel „Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus“ ist definitiv falsch!
Das meiste NO2 stößt der Sektor „Energie“ aus. Auch Luftverkehr liegt höher. Dann folgen schwere Nutzfahrzeuge und erst dann(!!) kommen Diesel-PKW!

Das kann auch die Behörde nicht wirklich von der Hand weisen:

„Die Überschrift der Grafik ist bei Herauslösung aus dem Zusammenhang der zugehörigen Presseinformation in der Tat verwirrend – diese bezieht sich ja nur auf den Straßenverkehr! Und da ist die Aussage richtig. Insofern wäre es hilfreich, wenn dieser Zusammenhang auch in der Grafik noch einmal explizit erwähnt werden würde.“

Was bleibt übrig? Die Zahlenspielereien rund um die Diesel-Affäre sind verwirrend. Es wird offenbar nicht mit offenen Karten gespielt und man interpretiert die Zahlen so, wie es gerade passt.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Die Sache mit der Diesel-Affäre…

Neben dem E-Auto-Hype war in den letzten Tagen auch die „Diesel-Affäre“ ein großes Thema in den Medien.

Wenn man mal ein bißchen detaillierter in die Thematik einsteigt, stellt man sich die Frage: Warum?

Der Anteil von Diesel-PKW an der Belastung mit Stickoxiden im Bereich Verkehr beträgt gerade mal 7,5%! EDIT: Dieser Wert ist falsch – siehe neuer Blog-Eintrag –

Diesel-Affäre – Teil 2

Quelle: Umweltbundesamt 2017

 

Küsten- und Binnenschiffahrt kommt fast auf gleich hohe Werte.
Land- und Forstwirtschaftlicher Verkehr ebenso.
und LKW/Busse emmitieren fast das Fünffache!

Aber man stürzt sich auf die 7,6 % und fordert nun lautstark irgendwelche Updates. Das Ergebnis wird dann wohl sein, dass die Gesamt-Eimissionen von rund 35 Kilotonnen auf vielleicht 30 Kilotonnen sinken. Wenn es überhaupt soviel ausmacht. Dann wären wir bei 6,5% Anteil am Bereich Verkehr.
Der Anteil an der Gesamt NOX-Belastung reduziert sich dadurch von rund 2,9% auf 2,5%.

Und dafür der Riesen-Aufwand?
Dafür droht man mit Fahrverboten – während LKW und Busse fröhlich weiter fahren dürfen?

Aus meiner Sicht ist das eine geradezu lächerliche Diskussion.
Wem nutzt sie eigentlich?