Diesel-Affäre – Teil 2

Die Sache ist offenbar komplizierter, als gedacht.
Im Rahmen eines Schriftwechsels mit dem Umweltbundesamt (UBA) kam heraus, das ich bei der Berechnung des PKW-Anteils bei den NOx-Emissionen tatsächlich einen Fehler gemacht habe. Ich hatte fälschlichwerweise den Anteil für „leichte Nutzfahrzeuge“ zu Grunde gelegt.

Das war falsch.

Das UBA teilte dazu mit:

„leider ein Problem der Möglichkeit, in Excel Tabellensichten zu “fixieren” – d.h. bestimmte Spalten und Zeilen immer in der Ansicht zu haben…Hier hilft nur ausschalten dieser Fixierung oder mit dem Cursor in eine Zelle der Zeile 19 gehen und dann noch oben scrollen – zufällig sind in der Ansicht gerade die Zeilen 15, 16 und 17 „weggerollt“… Sicher kein Vorsatz!“

Okay – habe ich gemacht. Hier die „richtige“ Tabelle:

Jetzt sind auch die „echten“ Diesel-PKW dabei und in der Tat beträgt ihr Anteil im Bereich Verkehr im Jahr 2015 rund 40%. Das ist natürlich etwas anderes als 7%…sorry.

Aber wie erklärt sich dann diese Grafik:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwort des UBA:

Die von Ihnen beigefügte Grafik entstammt einer sehr aktuellen Presseinformation, in der schon die Erkenntnisse des Dieselskandals überschlägig berücksichtigt wurden. Dies war in der tabellarischen Darstellung auf Grund der Aktualität noch nicht der Fall. Die sehr detaillierten Berechnungen der Emissionen (auch in der Zeitreihe) erfolgen einmal jährlich – immer zum Jahresende hin. Details zu diesen Rechnungen finden Sie hier: http://iir-de.wikidot.com/1-a-3-b-road-transport.

Im Moment laufen diese Prozesse gerade, so dass wir zum Jahresende detaillierte Zeitreihen, die dann auch die aktuellen Erkenntnisse der Dieseldebatte mit berücksichtigen, veröffentlichen werden.“

Wow! Die Diesel-Schummelei erhöht also den Anteil der Diesel-PKW von 40% auf nunmehr über 70%? Ernsthaft? Das wäre ja fast eine Verdoppelung der Emissionen – und das wäre in der Tat ein Skandal…

Jedoch: Wenn ich dann den Link verfolge bin ich noch mehr verwirrt: Light-Duty-Vehicles 340.25 plus heavy-duty-vehicles 240.56 macht zusammen rund 680 kg/TJ.
Der PKW-Verkehr schlägt dagegen mit rund 260 kg/TJ zu Buche.
Wie kommt man da auf 40% Anteil durch Diesel PKW?

Antwort des UBA: „Bei den von Ihnen zitierten Angaben handelt es sich um Emissionsfaktoren (im konkreten Fall sogar um über die verschiedenen Schadstoffklassen gemittelte Werte). Deren Vergleich allein hilft im Grunde nicht, da die Emissionen sich ja erst durch die Multiplikation dieser Emissionsfaktoren mit den in den zugehörigen Klassen genutzten Kraftstoffmengen ergeben.“

Okay. Also habe ich multipliziert -> ändert aber nix: leichte und schwere LKW kommen zusammen auf einen Wert von rund 175.000, PKW auf 155.000. Offenbar aber noch ohne „Schummelfaktor“.

So oder so führt die UBA-Grafik im Rahmen der aktuellen Diskussion in die Irre, denn der Titel „Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus“ ist definitiv falsch!
Das meiste NO2 stößt der Sektor „Energie“ aus. Auch Luftverkehr liegt höher. Dann folgen schwere Nutzfahrzeuge und erst dann(!!) kommen Diesel-PKW!

Das kann auch die Behörde nicht wirklich von der Hand weisen:

„Die Überschrift der Grafik ist bei Herauslösung aus dem Zusammenhang der zugehörigen Presseinformation in der Tat verwirrend – diese bezieht sich ja nur auf den Straßenverkehr! Und da ist die Aussage richtig. Insofern wäre es hilfreich, wenn dieser Zusammenhang auch in der Grafik noch einmal explizit erwähnt werden würde.“

Was bleibt übrig? Die Zahlenspielereien rund um die Diesel-Affäre sind verwirrend. Es wird offenbar nicht mit offenen Karten gespielt und man interpretiert die Zahlen so, wie es gerade passt.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Schreibe einen Kommentar