Grenzenlos grenzwertig…

Jetzt ist sie da – die Katastrophe!
Das Bundesverwaltungsgericht hat Fahrverbote für grundsätzlich zulässig erklärt.
Und die Medien überschlagen sich: Wertverluste von Diesel-Fahrzeugen, Ausnahmeregelungen, Arbeitnehmer die nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen…kurzum:

Dem Land droht von einer Sekunde auf die andere ein Kollaps.
Weil alles so schnell und überraschend kam…

Äh. Schnell?
Die Grenzwerte, um die es aktuell geht, gelten bereits seit 2010, also seit acht Jahren!
Das Stickstoffdioxid-Problem ist schon seit über 20 Jahren bekannt:

Zu diesem Zeitpunkt (1995) haben unsere Telefone noch so ausgesehen:

In Computern war ein „Pentium x86“ verbaut und mit 4 Megabyte RAM und 80 Megabyte Festplatte war man zufrieden. Internet? Gab´s noch nicht so wirklich…
Der Bulli von VW hiess „T4“, hatte rund 80 PS und verbrauchte 12 Liter Diesel auf 100 km.

Und heute?
Die Speicherkapazitäten in PC sind um den Faktor 1.000 (!) gestiegen.
Wir haben rasend schnelles Internet und schicken riesige Datenmengen in kürzester Zeit um die Welt. 1995 kannte man noch das „Telegramm“…

Der Bulli von VW heisst mittlerweile T6. Mit 84 PS soll er 6-8 Liter verbrauchen, aber die meisten fahren eher ab 100 PS aufwärts. Und da liegt der Verbrauch nur wenig unter dem von 1995…

Was ich damit sagen will:
Während in vielen Sektoren die Entwicklung explodiert ist, scheint im Bereich „Verkehrsentwicklung“ die Zeit stehen geblieben zu sein.

  • In vielen Städten fahren heute noch Straßenbahnen und/oder U-Bahnen aus den 90er Jahren umher
  • Windräder „zieren“ landauf/landab die Flächen, der Transrapid war damals u.a. wegen „Verschandelung des Landschaftsbildes“ (Fahrt auf Stelzen-Brücken) nicht umzusetzen.
  • Ein „moderner“ Linienbus (Bj. 2016) verbraucht immer noch 40 Liter Diesel/100 km.
  • Streckennetze der Bahn sind marode, es sind immer noch viele ICE´s der 1. und 2. Generation unterwegs (20-25 Jahre alt)
  • Der Neubau eines Bahnhofes oder ähnlicher Grossprojekte ist unter 10 Jahren nicht zu machen
  • Von 2006 bis 2017 stieg die Zahl von Elektroautos von knapp 2.000 auf rund 35.000. Bei 4 Mio. Neuzulassungen macht das 2017 gerade mal: knapp 1%. In Norwegen sind es über 50%!

Deutschland hat die Entwicklung moderner Nah- und Fernverkehrssysteme verschlafen. ÖPNV-Infrastruktur von Ballungszentren wurde nicht weiterentwickelt. Und jetzt ist das Geschrei groß.
Dabei war das Ganze absehbar.

Jetzt wird es – tatsächlich 😉 – Zeit, sich forciert über Lösungen Gedanken zu machen. Ideen gibt´s genug und das Urteil aus Leipzig mag helfen, ernsthaft über Lösungen abseits des motorisierten Individualverkehrs nachzudenken.